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Steinreich! (Pfarrerin Dr. Katrin Schindehütte - August 2018 - Oberhessische Presse)

Ich bin steinreich. Ja, Sie haben richtig gelesen! Aber nicht etwa, dass ich im Lotto gewonnen hätte oder eine beträchtliche Erbschaft mein Eigen nennen darf. Sondern: ich besitze Steine. Gesammelte Steine. Selbst gesammelte.

Diese Tätigkeit, diese Leidenschaft – ja man könnte fast sagen: diese Sucht – ergreift mich eigentlich jedes Mal im Urlaub am Meer. Ich kann einfach nicht anders. Ich muss sammeln. Und wenn ich erst einmal angefangen habe, kann ich nicht wieder aufhören. „Oh, schau mal: dieser. So rund und glatt.“ „Boah und dieser: was für eine Farbe. Fast wie Bernstein.“ Und jener dort muss natürlich auch mit. Bei dem lustig gesprenkelten Muster... Und so geht es weiter. Ich gestehe, dass mein Blick für die weitere Natur – für das Meer, den Himmel, den Horizont – auf diese Weise etwas zu kurz kommt. Aber das ist egal. Ich bin glücklich. Und den Rest der Familie hat diese Freude ebenfalls bereits ergriffen.

Steine sammeln – ein sinnloses Hobby? Vielleicht ja – aber gerade deshalb ist es vielleicht so wunderbar. Wer braucht schon Steine? Und so ertappe ich mich nach einiger Zeit selbst erstaunt dabei, wie ich auf einmal auch auf Kieswegen und ähnlichem zu suchen beginne. Doch mit einem Mal verliert genau dort die Suche ihren Reiz. Hier scheint es jede Form von Steinen in Hülle und Fülle zu geben. Der Reiz des Besonderen, die Lust der eigenen Entdeckung geht verloren. Ich bin wieder an Land.

Steine sammeln – ein sinnloses Hobby? Ganz im Gegenteil! Es ist ein Glück und ein Segen, wann immer diese Leidenschaft erwacht. Ob nun am Strand, in den Bergen oder anderswo. Steine sammeln lässt der kindlichen, naiven Freude am Schönen ihren Lauf. Steine sammeln übt den Blick für das scheinbar Unscheinbare unserer Welt, lehrt das Besondere neu erkennen. Steine sammeln heißt das wahrzunehmen, was sonst so oft unentdeckt bleibt: Farben, Formen, Muster, Rundungen, die besonderen Ecken und Kanten.

Ein wertschätzender Blick, der uns auch im Alltag manches Mal gut täte. Die Schönheit des Lebens als Miniaturbild in Szene gesetzt: Meine Umwelt, die Anderen, ich selbst. Wie ein Stein, den Gott selbst jeden morgen neu und kostbar ans Land spült. Hierauf lohnt es sich zu konzentrieren, nicht nur im Urlaub.

So höre ich gerne den wellenden Worten beim Prediger Salomo zu: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit [...]; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit“.

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