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Dienstag, 19.09.2017

Geschichte der Markuskirche

zusammengestellt von Manuel Haim

1272: Marbach wird erstmals urkundlich erwähnt
Zur selben Zeit wird am Rande der Marburger Nordstadt bereits an der Elisabethkirche gebaut (Baubeginn 1235, Einweihung 1283).

1945-1959: Nachkriegszeit und Seelsorge in Marbach

Anfang der 1950er Jahre war die politisch noch selbstständige Gemeinde Marbach durch den Siedlungsbau der Nachkriegszeit auf stattliche 1.500 Einwohner angewachsen. Kirchlich gehörte Marbach allerdings nach wie vor der Elisabethkirchengemeinde an - eine eigene Kirche oder gar eine eigenständige Kirchengemeinde gab es noch nicht. Aus Rücksicht auf die älteren Gemeindeglieder, für die der Weg zur Elisabethkirche zu beschwerlich wurde, bot der damalige Elisabethkirchen-Pfarrer Franz Bücking daher bereits seit einigen Jahren etwa 14-täglich einen Gottesdienst in der Marbacher Schule an. Außerdem drängte er schon früh auf die Einrichtung einer Hilfspfarrstelle „Marbach – Marbacher Weg“ sowie von Gemeinderäumen, um dem Bedürfnis der Menschen nach Kirche vor Ort gerecht zu werden.

Es sollten allerdings noch einige Jahre vergehen, ehe in der Marbach ein Kirchenbau mit Gemeindezentrum entstehen konnte. Zunächst waren nämlich der Bau der Matthäuskirche in Ockershausen sowie der Pauluskirche in der Hansenhaus-Siedlung von der Landeskirche zu stemmen. Im Jahr 1957 ergab es sich, dass das Gelände des ehemaligen Marbacher Friedhofs zurück an die politische Gemeinde fiel, die es der Kirche gern kostenlos als Baugrund zur Verfügung stellte. Ab 1959 wurden auf Rat des Kirchenrats Dekan Dr. Karl Bernhard Ritter die ersten Spenden für den Kirchbau eingeworben. Es kamen rund 20.000 DM aus der Gemeinde und – hiervon motiviert – weitere 25.000 DM seitens der Farbwerke Hoechst (Behringwerke) zusammen.

1960-1966: Marbach erhält eine Pfarrstelle, Kirche und Pfarrhaus

Nachdem das Landeskirchenamt einem Kirchbau zugestimmt hatte, wurde im Dezember 1959 ein Bauausschuss einberufen, der zusammen mit dem Marbacher Architekten Günther Scholz und dem Kirchbaurat Hans A. Maurer verschiedene Kirchenneubauten im Gebiet der Landeskirche besichtigte. Die Adventskirche in Niedervellmar bei Kassel mit ihrer klaren Form und großzügigen Fensterfläche muss die Mitglieder des Ausschusses besonders beeindruckt haben. Scholz fertigte daran angelehnt einen Entwurf für die noch namenlose Marbacher Kirche, dessen Umsetzung der Bauausschuss Ende 1960 mit Nachdruck befürwortete.

Im selben Jahr war Marbach zunächst Seelsorgebezirk und schließlich am 5. April 1962 eigenständige Pfarrei unter bewährter Leitung von Pfarrer Franz Bücking geworden. Bücking führte die Gemeinde über seine offizielle Pensionierung im Jahr 1961 hinaus noch fünf weitere Jahre.

Der Kirchbau

Am 2. Juni 1962 fand die Grundsteinlegung für die neue Markuskirche statt, die Einweihung folgte am 6. September 1964 im Rahmen eines feierlichen Festgottesdienstes.

Die Gesamtsumme für Bau und Ausstattung betrug rund 650.000 DM, von denen die noch junge Markuskirchengemeinde einschließlich der zuvor genannten Spenden 60.000 DM selbst aufbringen musste. Das Pfarrhaus wurde hingegen erst später gebaut und im August 1966 von Bückings Nachfolger bezogen.

Einweihung der Kirche (1964):

Ein festlicher Zug bewegt sich am 6. September 1964 vom damaligen evangelischen Kindergarten der Marbach (heute Kinder- und Jugendhaus Connex) zur neuen Kirche, die „an dem Berghang über dem Bienenweg eine beherrschende Stellung im Dorf“ einnimmt (Oberhessische Presse, 27.01.1962).

Nach zwei Jahren Bauzeit ist die Kirche für die Gemeinde in der Marbach fertiggestellt. Nun soll sie auch mit Leben erfüllt werden. Nachdem der Zug unter Glockengeläut und angeführt von den Konfirmanden das Hauptportal der Kirche erreicht hat, übergibt der Architekt Günther Scholz die Schlüssel zunächst an den Vorsitzenden des Gesamtverbandes Marburg, Dekan Lacher. Danach geht es durch den 26m hohen Turm aufwärts in die Kirche, wo der Festgottesdienst von Prälat Roth aus Kassel gehalten wird.

Die Besucher des Festgottesdienstes nehmen wahr, dass der große Innenraum der neuen Kirche durch das große Kirchenfenster auf der Ostseite sehr hell gehalten ist. Die bunte Betonglaskunst, gestaltet vom Marburger Künstler Joachim Spies, belebt die Fläche. Alle anderen Wände der 320 Personen fassenden Kirche sind mit holländischen Klinkern verblendet. Das verschafft dem Raum eine warme und festliche Note. Drei Stufen führen zum Altarraum, in dessen Zentrum ein massiver Altar steht. Seine Besonderheit ist das Relief eines Paradiesbaumes. Markant an der Stirnseite der Kirche hängt ein großes und schlichtes Holzkreuz, das der Künstler Wilhelm Greverus für die Markuskirche geschaffen hat. Die neue Orgel der Kasseler Orgelbaufirma Bosch und der Posaunenchor übernehmen die Begleitung der Lieder.

Vom Einweihungstag an finden regelmäßig jeden Sonntag Gottesdienste in der Markuskirche statt.

Das Kreuz am Glockenturm (1993):

Die unscheinbare Gestalt des Glockenturms (seinerzeit noch Sichtbeton) führte bei Ortsfremden immer häufiger zu Verwechslungen. So nahmen Außenstehende die Kirche kaum als solche wahr, glaubten gar, es handle sich um ein Feuerwehrhaus. Um dem entgegenzuwirken, wurde bei Architekt Scholz ein Entwurf für ein Turmkreuz in Auftrag gegeben und zügig umgesetzt.

Umbau und Fahrstuhl (2004):

Die Markuskirche ist am Hang gebaut und war lange Zeit nur durch Treppen zu erreichen. Schon in den Originalplänen war ein Aufzug im Eingangsturm am Bienenweg geplant, der aus Kostengründen aber nie realisiert wurde. Anträge auf den Einbau eines Aufzugs an das Landeskirchenamt blieben ohne Antwort. Erst als massive Betonschäden außen an der Kirche festgestellt wurden, war das Landeskirchenamt geneigt, auch den Wunsch nach einem Aufzug zur Kenntnis zu nehmen.

Nachdem sich der Architekt, Herr Himmelmann, der Sache angenommen hatte und fest stand, dass an der Markuskirche gebaut werden soll, kam die Planung in Gang und zog immer weitere Kreise: Nicht nur die Betonsanierung stand jetzt zur Debatte, sondern auch der Einbau eines Aufzugs, die Neugestaltung des Eingangsbereichs, Schaffung eines neuen Raumes unter der Brücke, Einbau neuer (behindertengerechter) Toiletten, einer Küche und einer Sakristei.